Kurz gesagt: In Wohnräumen gelten 40–60 % relative Luftfeuchtigkeit als normal, im Winter sind 40–50 % ein guter Bereich. Dauerhaft über 60 % steigt das Schimmelrisiko an kalten Wandstellen deutlich, unter etwa 35 % wird die Luft unangenehm trocken. Kurze Spitzen nach Duschen oder Kochen sind normal – entscheidend ist, wie schnell die Feuchte wieder sinkt und wie warm Ihre Wände sind.

Richtwerte nach Raum

RaumTemperaturRelative Luftfeuchte
Wohnzimmer20–22 °C40–60 %
Schlafzimmer17–20 °C40–60 %, im Winter besser unter 55 %
Kinderzimmer20–22 °C40–60 %
Küche18–20 °C50–60 %, beim Kochen kurz höher
Bad20–23 °Cbis 70 % kurz nach dem Duschen, danach zügig senken
Keller (unbeheizt)10–15 °Cmöglichst unter 65 %

Die Werte sind Orientierung, keine Grenzwerte. Ob 60 % in Ihrer Wohnung unproblematisch sind, hängt davon ab, wie kalt die kältesten Wandstellen werden.

Warum die gleiche Zahl nicht dasselbe bedeutet

Die relative Luftfeuchtigkeit beschreibt, wie viel Prozent der Wassermenge in der Luft ist, die sie bei ihrer Temperatur maximal aufnehmen kann. Warme Luft kann deutlich mehr Wasser halten als kalte:

LufttemperaturMaximale Wassermenge (100 %)
0 °Cca. 4,8 g pro m³
10 °Cca. 9,4 g pro m³
16 °Cca. 13,6 g pro m³
20 °Cca. 17,3 g pro m³
22 °Cca. 19,4 g pro m³

Kühlt Raumluft an einer kalten Wand ab, steigt ihre relative Feuchte dort an – obwohl im Raum nichts passiert ist. Luft mit 20 °C und 50 % erreicht an einer Wandstelle von etwa 12,6 °C schon rund 80 %. Ab diesem Bereich kann über mehrere Tage Schimmel wachsen. Deshalb sagt das Hygrometer in der Raummitte nur die halbe Wahrheit. Mit dem Taupunktrechner sehen Sie, welche Wandtemperatur bei Ihren Werten kritisch wird.

Woher die Feuchtigkeit kommt

Ein Haushalt gibt jeden Tag mehrere Liter Wasser an die Raumluft ab – bei vier Personen häufig 6 bis 12 Liter. Die größten Quellen:

Dazu kommen Feuchte aus Bauteilen – etwa nach einem Neubau, einer Sanierung oder einem Wasserschaden – und im Sommer warme, feuchte Außenluft, die in kühlen Kellern kondensiert.

Luftfeuchtigkeit zu hoch – was hilft?

  1. Stoßlüften: mehrmals täglich 5–10 Minuten weit öffnen, im Winter eher kürzer und öfter. Gekippte Fenster tauschen kaum Luft aus und kühlen die Laibung aus. Ob Lüften gerade etwas bringt, zeigt der Lüftungsrechner.
  2. Gleichmäßig heizen: kühle Räume nicht mit warmer, feuchter Luft aus anderen Räumen „mitheizen“ – Türen zu kühlen Räumen geschlossen halten.
  3. Feuchte an der Quelle abführen: Deckel auf den Topf, Dunstabzug, nach dem Duschen Wasser abziehen und lüften.
  4. Wäsche: wenn möglich draußen oder im Trockenraum trocknen.
  5. Möbel: 5–10 cm Abstand zu Außenwänden.

Ein Luftentfeuchter kann helfen, wenn Lüften nicht reicht – etwa im Keller oder nach einem Wasserschaden. Eine zu kalte Wand macht er aber nicht wärmer.

Luftfeuchtigkeit zu niedrig – was hilft?

Unter etwa 35 % trocknen Schleimhäute und Augen aus, Holz kann reißen. Das passiert vor allem bei starkem Heizen in der kalten Jahreszeit. Weniger lange lüften (aber nicht ganz darauf verzichten), Raumtemperatur nicht unnötig hochdrehen und Pflanzen oder eine Schale Wasser auf der Heizung helfen meist schon.

Wann hohe Luftfeuchte ein Warnsignal ist

Dann lohnt es sich, Werte über ein bis zwei Wochen zu notieren – zum Beispiel mit dem Lüftungsprotokoll – und die Ursache klären zu lassen.

Schon Schimmel entdeckt? Mit dem HIWANDA Bildcheck schätzt ein TÜV-zertifizierter Sachverständiger anhand von drei Fotos die wahrscheinliche Ursache ein – Raumklima, kalte Wand oder beides. Schriftlich, in der Regel in 24–48 Stunden, für 59 € – eine Ersteinschätzung anhand von Fotos, kein Gutachten.

Häufige Fragen

Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung normal? +
In Wohnräumen gelten 40–60 % relative Luftfeuchte als normal, im Winter sind 40–50 % ein guter Bereich. Kurze Spitzen nach Duschen oder Kochen sind unproblematisch, wenn die Werte danach wieder sinken.
Ab welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel? +
Entscheidend ist die Feuchte direkt an der Wandoberfläche. Ab etwa 70–80 % dort über mehrere Tage kann Schimmel wachsen. Bei 20 °C und 50 % Raumluftfeuchte wird das an Wandstellen unter etwa 12,6 °C erreicht.
Ist 65 % Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer zu hoch? +
Morgens nach der Nacht kurzzeitig ja, das ist normal. Bleibt der Wert über den Tag dauerhaft bei 65 %, steigt das Schimmelrisiko an kalten Außenwänden und hinter Möbeln. Dann gründlich stoßlüften und das Schlafzimmer nicht zu stark auskühlen lassen.
Was tun bei hoher Luftfeuchtigkeit ohne Fenster? +
Lüftungsanlage oder Abluftventilator nutzen und lange genug nachlaufen lassen, Türen zu Feuchträumen schließen, Wäsche woanders trocknen. Ein Luftentfeuchter kann zusätzlich helfen.
Hilft Heizen gegen hohe Luftfeuchtigkeit? +
Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen, die relative Feuchte sinkt und Wände bleiben wärmer. Das Wasser bleibt aber im Raum – darum Heizen und Lüften immer kombinieren.
MK
TÜV-zertifizierter Sachverständiger für Schimmelpilzschäden · Malermeister · Gebäudeenergieberater (HWK)

Feuchte Wände oder Schimmel – woran liegt es?

Drei Fotos genügen für eine schriftliche Ersteinschätzung vom TÜV-zertifizierten Sachverständigen.

Bildcheck anfragen – 59 €

Weiterlesen

Luftfeuchtigkeit richtig messen: So liefert Ihr Hygrometer echte Werte

Wo das Hygrometer hingehört, wie genau es ist und was es nicht zeigt.

Taupunktrechner

Prüfen, ob an Ihrer Wand Tauwasser ausfällt – nach DIN 4108-2.

Schimmel am Fensterrahmen: Woher er kommt und was wirklich hilft

Kondenswasser, Dichtung oder Anschluss – so finden Sie die Ursache.

Schimmel trotz Lüften

Warum Lüften allein oft nicht reicht.

← Alle Artikel